Zulassung zur Abschlussprüfung gemäß § 45 (2) BBiG / Externen-Prüfung

 

Gesetzliche Grundlage
Das BerufsBildungsGesetz (BBiG) regelt in Deutschland alle Dinge, die im Zusammenhang mit Berufsausbildungen, Prüfungen und Zulassungsvoraussetzungen stehen.

Im § 45, Absatz 2 werden Bedingungen benannt, unter denen Personen zu Abschlussprüfung in einem Ausbildungsberuf zugelassen werden können, obwohl sie nie die Ausbildung durchlaufen haben. Sie müssen stattdessen nachweisen, dass sie mindestens das 1,5fache der üblichen Ausbildungszeit in diesem Beruf tätig gewesen sind. Angerechnet werden hier auch Ausbildungszeiten in einem anderen Ausbildungsberuf.

Wenn durch Zeugnisse bescheinigt wird, dass die Person die grundlegenden beruflichen Handlungskompetenzen erworben hat, kann zwecks Zulassung zur Prüfung, vom Nachweis dieser Mindestzeit ganz oder teilweise abgesehen werden.


Zulassungsvoraussetzungen
Um die Zulassung zur Abschlussprüfung in dem Beruf zu erhalten, muss die Berufstätigkeit im Aufgabenbereich des Ausbildungsberufes nachgewiesen werden:

  • Dauer: Das 1,5-fache der Regelausbildungszeit. Bei einer Ausbildungszeit von 3 bzw. 3,5 Jahren muss eine Berufstätigkeit von mindestens 4,5 Jahren bzw. 5,25 Jahren nachzuweisen. Bei einer Teilzeitbeschäftigung verlängert sich die nachzuweisende Berufstätigkeit im Verhältnis zur Vollzeitbeschäftigung.
  • Eine bereits vorher absolvierte Berufsausbildung in einem anderen Beruf kann angerechnet werden.
  • Die Prüfungszulassung erfordert Kenntnisse und Fertigkeiten des gesamten Berufsbildes. Erforderlich ist also der Nachweis der einschlägigen beruflichen Tätigkeit.

 

Wann kann man die Zulassung zur so genannten "Externen-Prüfung" beantragt?

Der Antrag kann gestellt werden, wenn mindestens die Hälfte der erforderlichen Zeit der Berufstätigkeit nachgewiesen werden kann. Dabei sind auch Auflagen, wie z. B. dem Erwerb zusätzlicher Berufserfahrung im entsprechenden Berufsfeld bis zum Zeitpunkt der Prüfung, möglich.

Manche Bildungsträger bieten Vorbereitungskurse auf diese "Externen-Prüfung" an. Man sollte die Zulassung zur Abschlussprüfung bei der zuständigen Kammer vor Anmeldung zu einem solchen Kurs prüfen lassen.

Für die Überprüfung der Zulassungsvoraussetzungen sollten bis spätestens vier Wochen vor dem Anmeldeschluss der gewünschten Prüfung, bei der zuständigen Kammer/Innung die notwendigen Unterlagen eingereicht werden:

  • Formloser Brief mit Angabe des gewünschten Ausbildungsberufes sowie ggf. Fachrichtung, Einsatzgebiet bzw. Schwerpunkt
  • Tabellarischer Lebenslauf (ohne Foto)
  • Schulabschlusszeugnis
  • Tätigkeitsnachweise/Arbeitszeugnisse des Arbeitgebers, die einen möglichst detaillierten Überblick über das Aufgabengebiet der Berufstätigkeit geben
  • Bei beruflicher Selbständigkeit: Gewerbeanmeldung bzw. Referenzen
  • Zeugnisse erfolgreich abgeschlossener Berufsausbildungen
  • Nachweise spezieller Seminare/Lehrgänge, die den Ausbildungsinhalten des gewünschten Ausbildungsberufes entsprechen

Beträgt die Zeit der Berufserfahrung weniger als die eineinhalbfache Zeit der Berufsausbildung, kann ganz oder teilweise auf diese Mindestzeit verzichtet werden, wenn durch geeignete Zeugnisse und Zertifikate die erforderliche berufliche Handlungskompetenz belegt werden kann.

 

Termine der Abschlussprüfungen

Die Abschlussprüfungen finden zumeist im Sommer und Winter statt. Eine Übersicht der Prüfungstermine und Anmeldefristen finden Sie auf den Internet-Seiten  der zuständigen Stellen (bspw. IHK, Handwerkskammer etc.)

Kosten

Die Überprüfung der Zulassung durch die Kammer/Innung ist kostenfrei. Die Prüfungsgebühr trägt der Prüfling gemäß der aktuellen Gebührenordnung der Kammer/Innung.

Zuständigkeit der Kammern/Innungen

Personen, deren Wohnsitz sich im Bezirk der Kammern/Innungen befindet, können ihren Antrag stellen. 

Wie kann ich mich auf die Prüfung vorbereiten?

Für die schriftlichen Prüfungsbereiche benötigen Sie umfangreiche Kenntnisse, die normalerweise überwiegend durch die Berufsschule - im Rahmen der regulären Ausbildung - vermittelt werden. Um diese Prüfungsbereiche bestehen zu können, müssen Sie sich die erforderlichen Kenntnisse im Selbststudium aneignen. Hier finden Sie einige Hinweise, die Ihnen helfen können, diesen Part erfolgreich zu absolvier

  1. Für einige ausgewählte Ausbildungsberufe bieten Bildungsträger prüfungsvorbereitende Kurse an. Informationen über diese Kurse erhalten Sie bei der Weiterbildungsberatung der Kammern oder der Innungen.
  2. Nehmen Sie Kontakt mit der Berufsschule auf, an der der von Ihnen gewünschte Ausbildungsberuf beschult wird. Dort sind ggfs. Literaturlisten oder weitere prüfungsvorbereitende Tipps bekannt, die Ihnen weiterhelfen können. Eine Übersicht über alle Berufsschulen in der Region Aachen, Heinsberg, Düren und Euskirchen erhalten Sie auf den Internetseiten der IHK und HWK Aachen.
  3. Bei Abschlussprüfungen, deren Aufgaben bundesweit erstellt werden, bieten einige Verlage alte Prüfungsaufgaben zum Erwerb an. Für die industriell-technischen Berufe finden Sie diese Aufgabensätze unter www.christiani.de sowie für die kaufmännischen und kaufmännisch-verwandten Berufe unter www.u-form.de. Weitere Hinweise sind bei den Aufgabenerstellungseinrichtungen AkA Nürnberg (www.aka-nuernberg.de) und PAL (http://www.stuttgart.ihk24.de/SIHK24/SIHK24/produktmarken/aus_und_weiterbildung/pal/index.jsp) zu finden.

Zu den praktisch abgeprüften Prüfungsbereiche in der industriell-technischen Ausbildung werden in der Regel so genannte "Materialbereitstellungslisten" geliefert, aus denen hervorgeht, was Sie für die praktische Prüfung benötigen. Diese Listen erhalten Sie rechtzeitig und unaufgefordert nach der Anmeldung zur Abschlussprüfung.